Bitterer Nachgeschmack

Des Deutschen liebstes Getränk ist und bleibt der Kaffee. Seit der Konsum mit der Kappung der Kaffeesteuer 1954 sprunghaft angestiegen ist, bleibt der Pro-Kopf-Verbrauch auf hohem Niveau. Im Jahr trinkt jeder Deutsche, Säuglinge und die, die nicht mehr selbst trinken können, eingerechnet, 162 Liter. Das macht knapp einen halben Liter pro Kopf und Tag. Praktischerweise ist Kaffee auch ziemlich günstig geworden und wird derzeit für um die vier Euro je Pfund gemahlenem Röstkaffee gehandelt. Als meine Oma noch lebte, war es eine Sensation, wenn das Pfund Kaffee mal unter 12 Mark kostete. Das war in den 1980er Jahren. Kaffee ist also billiger geworden, wenn auch nicht so dramatisch wie damals, als der Kaffeepreis kurz nach der Jahrtausendwende beinahe ins Bodenlose fiel. Seitdem haben sich die Preise in etwa stabilisiert, konkret ausgedrückt wurde Kaffee in den vergangenen 13 Jahren etwa 50 Cent je Pfund teurer. Das dürfte sich in etwa mit der üblichen Inflationsrate decken. Gut für den Konsumenten.

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Die Überlebenden

Ein Zusammentreffen mit Chum Mey und Bou Meng im Tuol-Sleng-Genozid-Museum

Gerade einmal 23 Menschen kamen noch lebend aus dem Tuol-Sleng-Gefängnis in Phnom Penh, jener ehemaligen Schule, die als S21 traurige Berühmtheit erlangt hat. 23 von vermutlich mindestens 12.732 und möglicherweise bis zu 20.000, die von den Roten Khmer von 1975 bis 1979 dorthin verschleppt worden waren. Die Spur vieler der wenigen Überlebenden hat sich verloren, viele sind gestorben, mindestens drei von ihnen leben heute noch, darunter Chum Mey und Bou Meng. Letzterer fasst die Zustände zusammen: „Das war für mich die Hölle auf Erden.“ Die betagten Männer haben viel zu erzählen, gehen mit ihren Worten sorgsam um, wählen mit Bedacht, was sie zu sagen haben. Gerechtigkeit kann ihnen nur die Justiz bringen. Heute wollen sie erinnern an diese unvorstellbaren Grausamkeiten, nicht um der Rache Willen.

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